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Géricault, Le radeau de la Méduse, 1819




Rettungsbooten fanden, wurde ein Floß gezimmert, daß von einem Rettungsboot in Schlepptau genommen wurde. Während sich der Kapitän, ein adliger Revolutionsemigrant, der sein Kommando mehr ministerieller Protektion als Seeerfahrung verdankte, zusammen mit den höheren Rängen im sicheren Rettungsboot befand, drängten sich auf dem Floß Teile der Mannschaft zusammen. Das Unglück wurde vollends zum Skandal, als die Bootsinsassen die Taue zum Floß kappten, um schneller an Land zu kommen. Die Menschen auf dem schwerfälligen Floß wurden ihrem Schicksal überlassen. Die Berichte der wenigen Überlebenden haben die Regierung in arge Bedrängnis gebracht. Das Thema wurde zu einem Sinnbild der Opposition, welches von den Liberalen gepflegt und wachgehalten wurde.

Géricault verkörpert in seinem Habitus den rastlosen Künstler, der zur Realisierung seiner Phantasien getrieben wird. Für das Floß der Medusa fertigte er viele, zum Teil sorgfältig ausgearbeitete Einzelstudien an, und das Bemühen um Richtigkeit ließ ihn sogar das Leichenschauhaus aufsuchen (Bild). - Nur wenige Bildvorwürfe

hat Géricault in große, durchgearbeitete Gemälde umgesetzt. Sein Werk trägt Züge einer unerfüllten Kunst, und sein früher Tod galt den Zeitgenossen als das Erlöschen eines Genies, das keine Erfüllung erlangen konnte. Er selbst starb in dem Bewußtsein, nichts geleistet zu haben.

Delacroix verdankte seinem Freund einiges, ging aber einen anderen Weg. Sein Salondebüt bestritt er 1822 mit dem Gemälde La barque de Dante (Bild), das einen großen Erfolg verbuchte, auch wenn ihm - was nun nicht mehr überrascht - mangelnde malerische Durcharbeitung vorgeworfen wurde. Das Werk ist ein Reflex auf Géricaults Medusenfloß, doch manifestiert sich hier ein Zug Delacroix', der sein Werk zu großen Teilen ausmachte: er schuf viele Bilder nach literarischen Vorlagen, in diesem Fall nach der Göttlichen Komödie. Dabei handelt es sich nicht allein um Illustrationen, sondern um Adaptionen, in denen er persönliche Konflikte und private Vorstellungswelten gleichnishaft umzusetzen versuchte. Auf verwandte Art verfuhr er auch mit den Themen, die die damalige Zeit stark beschäftigt hatten: Zwei Jahre nach der Dantebarke zeigte er im Salon von 1824 das Bild Le massacre de Scio, das Gros zu dem Ausruf veranlaßte:

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